„Die häufigste Fehlentscheidung von Seitenschläfern ist der zu feste Härtegrad, denn auf H4 kann die Schulter nicht einsinken und die Halswirbelsäule knickt zur Matratze hin ab. Wichtiger als jedes Prüfsiegel ist eine Zonierung, die genau an der Schulter nachgibt.“
Seitenschläfer, welche Matratze? Der Härtegrad entscheidet zuerst
Die Frage nach der richtigen Matratze für Seitenschläfer ist zuerst eine Frage nach dem Härtegrad, und der richtet sich nach dem Körpergewicht, nicht nach der Schlafposition allein. Als Orientierung gilt im deutschen Handel:
Diese Tabelle ist eine Faustregel und kein Messwert. Härtegrade sind in Deutschland nicht genormt, jeder Hersteller legt sie selbst fest. Ravensberger ordnet H3 dem Bereich ab etwa 80 kg zu, Breckle empfiehlt seine H3-Matratzen für 60 bis 150 kg. Ravensbergers Modelle für Seitenschläfer, darunter die Struktura-MED GEL, stehen im Ravensberger Matratzen Test. Die Stiftung Warentest bestimmt die Härte im Labor und hält fest, dass die Herstellerangaben oft nicht stimmen und der Härtegrad die Liegeeigenschaften ohnehin nicht beeinflusst. Für Seitenschläfer heißt das im Zweifel, eine Stufe weicher zu wählen und ein Rückgabefenster mitzukaufen. Liegt die vorhandene Matratze nur an der Schulter zu fest, kann statt eines Neukaufs auch ein Topper für Seitenschläfer reichen. Wer zwischen den Stufen schwankt, findet die mittelfeste Klasse im H3-Matratzen-Vergleich und die feste im Vergleich der harten Matratzen.
Punktelastisch statt flächenelastisch
Eine Matratze taugt für die Seitenlage, wenn sie genau dort nachgibt, wo die Schulter aufliegt, und einen Zentimeter weiter schon wieder trägt. Diese Eigenschaft heißt Punktelastizität. Kaltschaum, Gelschaum, Viscoschaum und Taschenfederkern bringen sie mit, weil sich jede Feder und jede Schaumzelle einzeln bewegt. Naturlatex liegt dazwischen und wird umso punktelastischer, je feiner der Kern perforiert ist. Ein Bonellfederkern arbeitet dagegen flächig, weil seine taillierten Federn untereinander mit Drahtspiralen verbunden sind. Der Federkernhersteller AGRO empfiehlt diese Bauart für Rücken- und Bauchschläfer und lässt die Seitenlage aus, und auch wir halten sie für Seitenschläfer für die falsche Wahl.
Die zweite Hälfte der Antwort ist die Zonierung. Sieben Liegezonen sind Standard, entscheidend ist aber, ob die Schulterzone wirklich weicher aufgebaut ist oder nur anders gesteppt. Modelle mit ausgeformtem Schultereinsatz oder einer sichtbaren Schulterabsenkung im Kern stehen in unserer Bestenliste deshalb vorn.
Wie viel Aufbauhöhe die Schulter braucht
Eine Schulter sinkt nur so tief ein, wie Material da ist. Unter 16 cm Gesamthöhe wird es für Seitenschläfer eng, 18 bis 21 cm sind ein guter Regelfall, und wer breite Schultern hat oder über 90 kg wiegt, profitiert von 25 cm und mehr. Bei Hybridmatratzen zählt zusätzlich die Dicke der Schaumauflage über dem Federkern, denn sie leistet die eigentliche Anpassung.
Seitenschläfer mit Rückenschmerzen
Schulterschmerzen am Morgen kommen meist von einer zu festen Matratze, Kreuzschmerzen von einer zu weichen. Bei Rückenbeschwerden gilt dieselbe Regel wie oben, nur strenger. Becken und Schulter müssen einsinken, während die Lendenwirbelsäule gestützt bleibt. Welche Modelle das leisten und was der Begriff orthopädisch rechtlich wert ist, steht im Vergleich der Matratzen bei Rückenschmerzen.
Das passende Kissen gehört dazu
Die Matratze löst nur die Hälfte des Problems. Sinkt die Schulter tief ein, darf das Kopfkissen niedriger ausfallen, bleibt sie oben, braucht der Kopf mehr Höhe. Bei Seitenschläfern liegt der Bedarf meist zwischen 10 und 14 cm, und die Modelle dafür stehen im Vergleich der Kopfkissen für Seitenschläfer. Wer zusätzlich den oberen Arm und das Knie ablegen möchte, findet die passenden Körperkissen im Seitenschläferkissen-Vergleich.