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QUL, GOLS und IVN Best: Welches Naturlatex-Siegel sagt was?

Auf einer Naturlatexmatratze prallen oft drei Siegel aufeinander: QUL prüft den Latexkern, GOLS die Bio-Herkunft des Kautschuks, IVN Best den textilen Aufbau. Welches davon wirklich etwas über den Naturanteil aussagt, lesen Sie hier.

Ina Ina · · 8 Min. Lesezeit
QUL, GOLS und IVN Best: Welches Naturlatex-Siegel sagt was?
Foto: Isuru Ranasinha / Unsplash

Von den drei Siegeln, die auf einer Naturlatexmatratze zusammenkommen können, sagt nur eines direkt etwas über den Naturlatexanteil im Kern aus. Das ist QUL, das ausschließlich Produkte aus 100 % Naturlatex tragen durften. GOLS belegt, dass der Kautschuk aus zertifiziert biologischem Anbau stammt und über die gesamte Lieferkette nachverfolgt wurde. IVN Best ist ein Naturtextil-Standard, der bei Matratzen zusätzlich festlegt, woraus der Latexschaum überhaupt bestehen darf. Keines der drei Zeichen kommt vom Gesetzgeber. Genau deshalb sind sie für Käufer so wichtig, denn der Begriff Naturlatex selbst ist nicht geschützt.

Warum das Wort Naturlatex nichts garantiert

Es gibt keine Vorschrift, wie viel Naturkautschuk in einer Matratze stecken muss, die als Naturlatexmatratze verkauft wird. Ein Kern darf zu großen Teilen aus synthetischem SBR-Latex bestehen, einem Erdölprodukt, und die Bezeichnung bleibt trotzdem zulässig. Mischlatex liegt in der Praxis meist bei 20 bis 40 % Naturanteil. Von außen sehen Sie den Unterschied nicht, riechen ihn nicht und spüren ihn beim Probeliegen im Laden allenfalls als etwas trägeres Rückstellverhalten. Nachweisen lässt er sich nur im Labor.

Belastbar sind allein die Angaben 100 % Naturlatex und 100 % Naturkautschuk. Wendungen wie Latex Premium, Komfortlatex oder mit Naturlatex beschreiben fast immer eine Mischung. Wie weit die Regelungslücke reicht, formuliert das eco-INSTITUT in Köln in einem Satz: Für Matratzen und Bettwaren existieren keine rechtlichen Anforderungen in Bezug auf Emissionen, bedenkliche Inhaltsstoffe oder Geruch. Die Siegel füllen also eine Lücke, die der Gesetzgeber offen gelassen hat. Welches Modell am Ende zu Ihnen passt, klären wir in unserem Vergleich der Naturlatexmatratzen. Auf dieser Seite geht es um die Zeichen auf dem Etikett.

Die drei Siegel im direkten Vergleich

Die drei Zeichen prüfen unterschiedliche Dinge und schließen einander nicht aus. Ein hochwertiges Modell kann alle drei tragen. Interessant ist deshalb weniger, was jedes Siegel verspricht, als wo es aufhört.

Siegel Wer es vergibt Kernanforderung Was es offen lässt
QUL Qualitätsverband umweltverträgliche Latexmatratzen e.V. Kern aus 100 % Naturlatex, jährliche Schadstoff- und Emissionsprüfung Keine Aussage darüber, ob die Plantage biologisch bewirtschaftet wird
GOLS Control Union Certifications Mindestens 95 % zertifizierter Bio-Naturkautschuk am Polymeranteil Keine Aussage über Bezug, Versteppung und Polsterung
IVN Best Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. 100 % des Naturfaseranteils aus kontrolliert biologischem Anbau Nennt keinen Prozentwert für den Naturlatexanteil des Kerns

Ein viertes Zeichen begegnet Ihnen fast immer zusätzlich, sagt aber wenig über den Latex. Was das Öko-Tex-Siegel bei Matratzen tatsächlich prüft, haben wir gesondert aufgeschrieben. CertiPUR wiederum ist für Latexkäufer ohne Bedeutung, weil es ausschließlich Polyurethanschäume bewertet.

QUL: das strengste Kriterienwerk geht im eco-INSTITUT-Label auf

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Hinter QUL steht der Qualitätsverband umweltverträgliche Latexmatratzen e.V., ein Zusammenschluss von Herstellern und Händlern aus der Naturbettenbranche. Der Verband hat sein Zeichen nur an Matratzen, Topper und Kissen vergeben, deren Kern zu 100 % aus Naturlatex besteht. Synthetischer Latex war im Kern nicht zugelassen, auch nicht anteilig. Zertifizierte Produkte gingen nach Angaben des Verbands jährlich in die Laborprüfung, untersucht wurde auf mehr als 300 Schadstoffe sowie auf flüchtige organische Verbindungen. Für Bezugsstoffe und Polstermaterialien ließ QUL ausschließlich Naturmaterialien zu, also Baumwolle, Schurwolle, Rosshaar, Hanf, Leinen oder Nessel, und für Baumwolle im Bezug ist seit 2019 Bio-Qualität vorgeschrieben. Diese Kombination aus Materialverbot, Schadstoffgrenzen und jährlicher Nachprüfung ist der Grund, warum QUL im Naturbettenhandel als das strengste Kriterienwerk gilt.

Bevor Sie ein QUL-Logo bewerten, brauchen Sie allerdings eine aktuelle Information. Die Mitgliederversammlung des Verbands hat am 21. Januar 2026 die Auflösung des QUL e.V. beschlossen. Das Label wird in das eco-INSTITUT-Label überführt, zahlreiche bisherige Mitglieder lassen ihre Naturlatexprodukte künftig dort zertifizieren. Die Gültigkeit der zuletzt ausgestellten QUL-Zertifikate war auf den 30. Juni 2026 begrenzt, die Prüfkriterien bleiben online einsehbar. Für Sie heißt das zweierlei. Ein QUL-Logo auf einer Matratze, die seit Jahren im Sortiment steht, dokumentiert eine echte Prüfung nach diesen Kriterien. Fragen Sie beim Händler trotzdem nach, was an die Stelle des auslaufenden Zertifikats getreten ist. Das eco-INSTITUT-Label prüft die von ihm zertifizierten Produkte mindestens alle zwei Jahre erneut im Labor, auf VOC-Emissionen, Inhaltsstoffe und Geruch.

Ein Beispiel aus dem deutschen Handel ist die dormiente Natural Basic 2 mit 14 cm hohem Naturlatexkern ohne Zonenschnitt, QUL-geprüft und zusätzlich Öko-Tex-zertifiziert. Sie liegt bei 928 € und spielt damit in der Preisklasse, in der konsequente Naturzertifizierung im deutschen Markt üblicherweise beginnt.

GOLS: Bio-Kautschuk mit Nachweis über die ganze Lieferkette

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Der Global Organic Latex Standard beantwortet eine andere Frage als QUL. Er interessiert sich nicht in erster Linie für den fertigen Kern in Ihrem Schlafzimmer, sondern für dessen Herkunft. Zertifiziert wird nach dem bei Control Union geführten Standard nur Latex von Plantagen, die nach EU-Öko-Verordnung oder nach dem US-amerikanischen NOP-Programm biologisch bewirtschaftet werden. Für das Endprodukt gilt eine feste Schwelle: mindestens 95 % zertifizierter Bio-Naturkautschuk am Polymergewicht, höchstens 5 % Prozesschemikalien und Füllstoffe.

Der eigentliche Hebel von GOLS ist die Rückverfolgbarkeit. Bei jedem Verkauf innerhalb der Lieferkette wird ein Transaktionszertifikat ausgestellt, von der Plantage über den Schaumhersteller bis zum Matratzenwerk. Hinzu kommen Sozial- und Umweltauflagen für die beteiligten Betriebe. Über den Bezug und die Versteppung sagt GOLS dagegen nichts. Wer beides abgedeckt sehen will, achtet auf ein Produkt, das GOLS und ein Textilsiegel gleichzeitig trägt. Die Lonsberg 7-Zonen soft ist unter den Modellen in unseren Vergleichen das einzige mit beiden Latexsiegeln, QUL und GOLS, bei einem bis 60 °C waschbaren Bezug aus Bio-Baumwolle und Lyocell und einem Einstiegspreis von 989 €.

IVN Best: der Naturtextil-Standard, der auch den Kern regelt

IVN BestIVN Best

Das vollständige Zeichen heißt NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST und stammt vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft. Es gilt als der strengste Naturtextil-Standard überhaupt und liegt spürbar über GOTS. Der Unterschied lässt sich an einer Zahl festmachen. Laut Standard in der Version 6.1 müssen 100 % des Naturfaseranteils aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder Tierhaltung stammen, ausgenommen Zutaten und Accessoires. GOTS verlangt in seiner niedrigeren Stufe 70 %. Dazu kommen enge Schadstoffgrenzwerte, Auflagen für Chemikalien, Abwasser und Energie sowie Sozialkriterien entlang der gesamten Produktionskette.

Für Matratzen ist ein Detail des Standards wichtiger, als sein Name vermuten lässt. IVN Best behandelt Matratzen als eigene Produktgruppe und schreibt vor, dass die darin verwendeten Latexschäume aus zertifiziertem kbA-Latex stammen müssen oder aus Latex nach einem Programm für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Polyurethanschäume sind in Matratzen ausdrücklich nicht erlaubt. Für Naturlatex-Schaum nennt der Standard eigene Grenzwerte, darunter Nitrosamine unter 0,001 mg/m³ und Kohlenstoffdisulfid unter 0,02 mg/m³. Das IVN-Siegel ist damit deutlich mehr als ein Bezugssiegel, auch wenn es keinen Prozentwert für den Naturlatexanteil des Kerns nennt.

In der Praxis begegnet Ihnen Naturtextil BEST bei Matratzen selten und bei Bettwaren, Toppern und Kissen häufiger, weil die Anforderungen an jedes einzelne Bauteil hoch sind. Wer den Standard ohne den Preissprung einer kompletten Naturmatratze kennenlernen möchte, wird deshalb eher bei den Auflagen fündig. Welche Modelle aus reinem Naturlatex dort infrage kommen, zeigt unser Vergleich der Naturlatex-Topper.

Häufige Fragen zu den Naturlatex-Siegeln

Ist ein QUL-Zertifikat heute noch gültig? Neu ausgestellt wird keines mehr, und die letzten Zertifikate liefen zum 30. Juni 2026 aus. Das Logo auf einem älteren Produkt belegt weiterhin, dass es nach den QUL-Kriterien geprüft wurde; fortgeschrieben wird die Zertifizierung über das eco-INSTITUT-Label.

Genügt GOLS als Beleg für eine schadstoffarme Matratze? Nein, GOLS sichert die Bio-Herkunft und die Lieferkette des Kautschuks ab, trifft aber keine Aussage über Bezug, Versteppung und Polsterung.

Was unterscheidet IVN Best von GOTS? Der Faseranteil aus kontrolliert biologischem Anbau muss bei IVN Best vollständig sein, bei GOTS genügen in der unteren Stufe 70 %. Zusätzlich sind die Grenzwerte für Rückstände enger und die Liste zugelassener Chemikalien kürzer. Und IVN Best schließt Polyurethanschäume in Matratzen komplett aus, was GOTS so nicht regelt.

Unser Fazit

Eine einzige Frage bringt Sie beim Kauf am weitesten. Steht auf dem Etikett 100 % Naturlatex, und wird die Angabe von einem Zeichen gestützt, das den Kern betrifft? QUL war dafür jahrzehntelang der klarste Beleg im deutschen Markt und wird künftig über das eco-INSTITUT-Label fortgeführt. GOLS ergänzt die ökologische Herkunft, IVN Best deckt Bezug, Polsterung und Latexschaum in einem Zug ab. Marketingsprache erkennen Sie am Fehlen genau dieser Zeichen. Steht dort nur mit Naturlatex oder Komfortlatex und kein prüfbares Siegel daneben, liegt die Beweislast wieder bei Ihnen. Eine Übersicht der geprüften Modelle finden Sie in unseren Matratzen-Testberichten. Die übrigen Zeichen des deutschen Bettenhandels, von Öko-Tex bis zum AGR-Siegel, nimmt sich unsere Übersicht der Matratzen-Siegel einzeln vor.

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Ina
Redakteurin

Ina schreibt und redigiert seit zwei Jahren für Sleep Magazine: zuerst für die französische Ausgabe sleepmagazine.fr, inzwischen auch für die deutsche Redaktion. In dieser Zeit hat sie Dutzende Marken und Hunderte Bettwaren ausgewertet, von Matratzen und Toppern bis zu Kissen und Bettdecken. Für jeden Vergleich prüft sie die Datenblätter, stellt Preise und Größen über die Händler hinweg gegenüber und liest die veröffentlichten Ergebnisse der Prüfinstitute.

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