„Zwei Zentimeter Gelschaum auf einem billigen Kern machen noch keine Gelmatratze. Achten Sie auf die Dicke der Gelschicht und auf das Raumgewicht des Kerns darunter.“
Gelschaum, Viscoschaum oder Kaltschaum?
Gelschaum ist chemisch ein Polyurethanschaum, dem gelartige Zusätze beigemischt sind, und er verhält sich wie ein Zwitter zwischen den beiden bekannten Schäumen. Von Viscoschaum übernimmt er die langsame, formanpassende Bewegung, von Kaltschaum die Rückstellkraft und die offenporige Struktur. Wer das Einsinken von Memory-Schaum mag, die Wärme darin aber nicht erträgt, landet fast immer bei Gel.
Vorteile und Nachteile von Gelschaum
Auf der Habenseite stehen die Druckentlastung an Schulter und Hüfte, ein weiches Einsinken ohne das träge Nachrollen von Visco und ein Liegegefühl, das kaum von der Raumtemperatur abhängt. Dazu kommt die geringe Bewegungsübertragung, die Paaren mit unterschiedlichem Rhythmus hilft.
Dagegen steht der Preis, denn Gelschaum kostet mehr als Kaltschaum gleicher Höhe und wiegt mehr. Und die Werbung verkauft Gel gern als Kühlmatratze, was es nicht ist. Kühl wird eine Gelmatratze erst durch Luft, also durch einen offenporigen Kern, Querbelüftungskanäle oder einen Federkern darunter. Eine dünne Auflage von zwei Zentimetern ändert am Liegegefühl außerdem wenig, wenn der Kern darunter weich und leicht gebaut ist.
Gelauflage, Gelschaumkern oder Gel im Schaum?
Drei Bauweisen tragen dasselbe Etikett. Bei der Gelauflage liegen zwei bis vier Zentimeter Gelschaum auf einem Kern aus Komfort- oder Kaltschaum, manchmal auch auf einem Taschenfederkern. Das ist die häufigste und günstigste Variante, und ihre Qualität hängt am Kern darunter, nicht an der Gelschicht. Beim durchgehenden Gelschaumkern besteht die ganze tragende Schicht aus Gelschaum, wie bei GELTEX von Schlaraffia. Die dritte Variante ist gel-angereicherter Memory-Schaum, oft als Gel-Memory oder Cooling-Gel verkauft, bei dem Gelpartikel im Viscoschaum verteilt sind und vor allem gegen dessen Wärmestau arbeiten. Reine Memory-Schaum-Matratzen ohne Gel vergleichen wir im Viscoschaum-Matratzen-Test.
Für die Kaufentscheidung zählen deshalb zwei Zahlen, die Zentimeterangabe der Gelschicht und das Raumgewicht des Kerns. Ein Kern mit RG 28 hält bei täglicher Nutzung deutlich kürzer als einer mit RG 45, gleich wie dick das Gel obenauf liegt. Wie sich ein reiner Schaumkern ohne Gel schlägt, zeigt unser Vergleich der Kaltschaummatratzen, die Alternative aus Naturmaterial steht im Latexmatratzen-Vergleich. Gel-Memory auf einem Federkern ist die Bauart der Hybridmatratzen, und wer bei der Herkunft genau hinsieht, findet die in Deutschland gefertigten Modelle im Made-in-Germany-Vergleich.
Wann ein Gel-Topper genügt
Wenn Ihre Matratze noch stützt und nur zu fest liegt, ist eine neue Gelmatratze der teure Weg. Ein Gel-Topper mit sechs bis acht Zentimetern liefert dieselbe Gelschicht für einen Bruchteil des Preises, und waschen lässt er sich obendrein. Die Grenze ist klar. Sobald der Kern durchhängt, eine Kuhle zeigt oder älter als acht Jahre ist, rettet ihn keine Auflage. Die Modelle stehen im Gel-Topper-Vergleich, alle Matratzenarten im Überblick finden Sie im Matratzen-Vergleich.
Bei den Größen gilt für Gelmatratzen dasselbe wie für alle anderen Matratzen. 90x200 und 140x200 sind bei jedem Hersteller lieferbar, 160x200 und 180x200 nicht bei jedem Modell, und Überlängen mit 220 cm bleiben Sonderfälle. Passende Empfehlungen nach Maß stehen in unseren Vergleichen für Matratzen 90x200 und Matratzen 140x200. Ravensbergers Gelschaum-Modell Struktura-MED GEL steht mit seinen Geschwistern im Ravensberger Matratzen Test.