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CertiPUR bei Schaum-Matratzen: Was zertifiziert ist und was nicht

CertiPUR prüft den Polyurethan-Schaum einer Matratze auf Schadstoffe und Emissionen, niemals das fertige Produkt. Wir erklären, was das europäische Siegel garantiert, wie es sich von CertiPUR-US unterscheidet und welches zweite Zertifikat den Bezug abdeckt.

Ina Ina · · 7 Min. Lesezeit
CertiPUR bei Schaum-Matratzen: Was zertifiziert ist und was nicht
Foto: Kathyryn Tripp / Unsplash

CertiPUR ist ein freiwilliges Prüfprogramm für Polyurethan-Schaum, und die wichtigste Information für Matratzenkäufer steckt schon in diesem Satz: Zertifiziert wird der Schaum, nie die fertige Matratze. Hinter dem europäischen Label steht EUROPUR, der Brüsseler Verband der europäischen Weichschaumhersteller. Er legt fest, welche Substanzen im Schaum nichts zu suchen haben, und lässt die Schäume der Label-Inhaber jedes Jahr von unabhängigen Laboren nachprüfen. Wer im Handel zusätzlich auf CertiPUR-US stößt, hat es mit einem zweiten, amerikanischen Programm zu tun. Was beide prüfen, worin sie sich unterscheiden und welches Siegel den Rest Ihrer Matratze abdeckt, klären wir hier.

Was CertiPUR prüft und wer dahintersteht

CertiPURCertiPUR

EUROPUR beschreibt CertiPUR als freiwilliges Test-, Analyse- und Zertifizierungsprogramm für die Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitseigenschaften von Polyurethanschaum, wie er in Bettwaren und Polstermöbeln steckt. Das Programm benennt Substanzen, die bei der Herstellung nicht verwendet werden dürfen, und setzt für weitere Bestandteile strenge Höchstgrenzen. Für zertifizierte Schäume nennt EUROPUR unter anderem diese Anforderungen:

  • hergestellt ohne Schwermetalle wie Quecksilber, Blei oder Cadmium
  • hergestellt ohne Farbstoffe, die nach EU-Recht als krebserzeugend oder allergen eingestuft sind
  • hergestellt ohne Phthalat-Weichmacher
  • hergestellt ohne Substanzen, die Krebs erzeugen oder das Erbgut schädigen können
  • geringe Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC)

Der Ablauf dahinter ist überschaubar. Ein Schaumhersteller reicht Proben ein, unabhängige Labore analysieren sie, und bei bestandener Prüfung erhält er ein Label mit drei Jahren Gültigkeit. In diesen drei Jahren laufen jährliche Kontrolltests weiter. Wer durchfällt, muss sofort nachbessern, und bei erneutem Scheitern folgen der Ausschluss aus dem Programm und der Entzug des Logos. Genau diese Nachkontrolle unterscheidet ein Prüfsiegel von einem Werbeaufdruck.

CertiPUR oder CertiPUR-US, zwei Programme mit fast gleichem Namen

Im deutschen Handel begegnen Ihnen beide Schreibweisen, und sie meinen nicht dasselbe. CertiPUR ist der europäische Standard und eine eingetragene Marke von EUROPUR. CertiPUR-US ist ein eigenständiges amerikanisches Programm, getragen von der Alliance for Flexible Polyurethane Foam, einer Non-Profit-Organisation in den USA. EUROPUR bezeichnet die beiden in seinen häufigen Fragen als zwei verschiedene Programme, deren Grenzwerte sich wegen der unterschiedlichen Rechtsräume unterscheiden.

Ein Unterschied ist für Käufer besonders greifbar. CertiPUR-US verlangt zusätzlich eine mechanische Prüfung und deckt damit auch die Haltbarkeit des Schaums ab, während sich das europäische CertiPUR auf Inhaltsstoffe und Emissionen beschränkt. Dafür ist die amerikanische Zertifizierung für Hersteller nach Angaben von EUROPUR deutlich teurer. Manche Unternehmen leisten sich beide Labels, weil sie beide Märkte bedienen.

Merkmal CertiPUR CertiPUR-US
Träger EUROPUR, Verband der europäischen Weichschaumhersteller in Brüssel Alliance for Flexible Polyurethane Foam, USA
Geltungsraum Europäischer Standard Amerikanischer Standard
Grenzwerte Am EU-Recht ausgerichtet Am US-Recht ausgerichtet
Mechanische Prüfung Nicht Teil des Programms Zusätzlich gefordert
Prüfrhythmus Label drei Jahre gültig, jährliche Kontrolltests Zweimal im ersten Jahr, danach jährliche Rezertifizierung
Kosten für den Hersteller Niedriger Deutlich höher

Die amerikanische Seite veröffentlicht zwei gut merkbare Zahlen. Formaldehyd muss im Kammertest unter 0,1 ppm bleiben, die Summe der flüchtigen organischen Verbindungen unter 0,5 ppm, gemessen nach 72 Stunden Konditionierung im ISO-Kleinkammertest. Zusätzlich screent CertiPUR-US nach eigener Darstellung relevante Chemikalien einschließlich Flammschutzmitteln, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. EUROPUR macht seine Grenzwerte nicht in dieser Form öffentlich, sondern legt sie im technischen Papier für Hersteller nieder.

Zertifiziert ist der Schaum, nicht die Matratze

Diesen Satz sollten Sie parat haben, wenn ein Shop mit einer „CertiPUR-zertifizierten Matratze“ wirbt. EUROPUR formuliert es unmissverständlich: Eine CertiPUR-Matratze gibt es nicht, das Label garantiert allein den Schaum und nicht die übrigen Bestandteile des Produkts.

Praktisch bedeutet das eine klare Trennlinie. Der Schaumkern ist geprüft, Bezug, Steppung, Reißverschluss und Klebstoffe sind es nicht. Bei einer Taschenfederkernmatratze mit Schaumpolsterung gilt das Siegel ohnehin nur für die Schaumlagen, nicht für den Federkern darunter. Bei einem Schaum-Topper wiegt es umgekehrt schwerer, weil ein Topper fast vollständig aus Schaum und Bezug besteht. Eine Naturlatexmatratze fällt ganz aus dem Programm, weil kein Polyurethan darin steckt. Dort beantworten QUL, GOLS und IVN Best die Materialfrage.

Wer das Logo führen darf, ist ebenfalls geregelt. Label-Inhaber sind die Schaumhersteller selbst. Matratzen- und Möbelhersteller, die zertifizierten Schaum einkaufen, registrieren sich als autorisierte Nutzer und dürfen das Logo dann nur auf Produkten zeigen, die ausschließlich aus zertifiziertem Schaum bestehen. Dazu gehört die Auflage, kenntlich zu machen, dass sich die Zertifizierung auf den Schaum bezieht und nicht auf das fertige Produkt. Deshalb taucht das CertiPUR-Logo auch auf Matratzen auf, die mit dem Markennamen des Schaumherstellers nichts zu tun haben.

Öko-Tex und CertiPUR ergänzen sich

Genau hier kommt das zweite Siegel ins Spiel. Öko-Tex Standard 100 ist ein Textilsiegel und deckt bei einer Matratze in aller Regel den Bezug ab, CertiPUR den Schaum darunter. Die beiden konkurrieren nicht, sondern schließen die Lücke des jeweils anderen. Welche Substanzen Öko-Tex im Einzelnen prüft, wie die vier Produktklassen funktionieren und wie Sie eine Prüfnummer selbst kontrollieren, steht in unserem Ratgeber zu Öko-Tex bei Matratzen, wo wir auch LGA schadstoffgeprüft und den Blauen Engel einordnen.

Sehen Sie auf einer Schaummatratze beide Logos, ist sie von der Oberfläche bis zum Kern schadstoffgeprüft. Sehen Sie nur eines, wissen Sie immerhin, welche Hälfte im Labor war. Welche Stoffgruppe überhaupt aus welchem Bauteil stammt, vom Weichmacher im beschichteten Bezug bis zum Lösemittelrest im Kern, sortiert unser Ratgeber zu Schadstoffen in Matratzen. Die Komfortschaummatratze von Matratzen Concord zeigt die vollständige Kombination, mit dreischichtigem Schaumkern und einem Bezug, der bei 40 Grad in die Maschine darf.

So prüfen Sie ein CertiPUR-Zertifikat

Anders als bei Öko-Tex gibt es keine Prüfnummer, die Sie zu einem einzelnen Produkt nachschlagen können. CertiPUR arbeitet mit Firmenlisten, und die sind öffentlich einsehbar.

Den Schaumhersteller nachschlagen. Die Liste der CertiPUR-Label-Inhaber führt alle Schaumproduzenten mit gültigem Label. Fehlt der Zulieferer dort, trägt sein Schaum das Siegel nicht.

Die Marke nachschlagen. Matratzenmarken, die zertifizierten Schaum verarbeiten, stehen in der Liste der autorisierten Logo-Nutzer. Diese Registrierung muss mindestens alle drei Jahre erneuert werden, ein alter Eintrag sagt also wenig.

Im Zweifel nachfragen. EUROPUR bittet ausdrücklich um eine Nachricht, wenn ein Produkt das Logo möglicherweise zu Unrecht trägt, und geht gegen missbräuchliche Verwendung vor.

Ein Logo ohne Eintrag in einer dieser Listen ist eine Behauptung, keine Zertifizierung. Streng klingt das nur, solange man es nicht ausprobiert hat, denn die Suche dauert weniger lang als der Vergleich zweier Bezugsstoffe.

Worüber das Siegel nichts sagt

So nützlich CertiPUR ist, es beantwortet nur eine von mehreren Kaufentscheidungen. Über Härtegrad, Punktelastizität, Zonierung und Liegekomfort steht im Zertifikat nichts. Auch die Haltbarkeit bleibt beim europäischen Programm außen vor, weil die mechanische Prüfung nur zur amerikanischen Variante gehört.

Der belastbarste Anhaltspunkt für die Lebensdauer eines Schaumkerns bleibt deshalb das Raumgewicht in kg/m³, mit RG 40 als Faustregel für die sichere Seite; wie stark Material und Pflege den Zeitraum verschieben, haben wir im Ratgeber zur Lebensdauer von Matratzen aufgeschlüsselt. Ein Hersteller, der das Raumgewicht offen ausweist, verrät über die Qualität seines Kerns mehr als jedes Logo. Der 7-Zonen-Kaltschaum von Paradies nennt RG 35 für den Kern und führt Öko-Tex und CertiPUR gemeinsam.

Breiter vergleichen lässt sich das im Test der Kaltschaummatratzen und in unseren Matratzen-Testberichten, wo die geprüften Siegel in der Spec-Tabelle jedes Modells stehen. Welche Zeichen dort sonst noch auftauchen, von LGA schadstoffgeprüft bis zum AGR-Siegel, steht in unserer Übersicht der Matratzen-Siegel.

Unser Fazit

CertiPUR ist ein ernst zu nehmendes Siegel für den Teil der Matratze, den Sie nie zu Gesicht bekommen. Es steht für einen Polyurethan-Schaum ohne Schwermetalle, ohne Phthalat-Weichmacher, ohne krebserzeugende oder erbgutschädigende Substanzen und mit geringen VOC-Emissionen, jährlich nachkontrolliert von unabhängigen Laboren. Mehr verspricht es nicht, und darin liegt der Fallstrick vieler Produktbeschreibungen. Eine Matratze, die als CertiPUR-zertifiziert beworben wird, hat einen geprüften Kern und einen ungeprüften Rest. Kommt Öko-Tex Standard 100 für den Bezug dazu, ist die Lücke geschlossen. Steht auf der Verpackung dagegen CertiPUR-US, haben Sie ein amerikanisches Programm mit eigenen Grenzwerten vor sich, das mechanisch mehr prüft und chemisch anders misst.

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Ina
Redakteurin

Ina schreibt und redigiert seit zwei Jahren für Sleep Magazine: zuerst für die französische Ausgabe sleepmagazine.fr, inzwischen auch für die deutsche Redaktion. In dieser Zeit hat sie Dutzende Marken und Hunderte Bettwaren ausgewertet, von Matratzen und Toppern bis zu Kissen und Bettdecken. Für jeden Vergleich prüft sie die Datenblätter, stellt Preise und Größen über die Händler hinweg gegenüber und liest die veröffentlichten Ergebnisse der Prüfinstitute.

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