„Die Tonnenform bringt Tragkraft, nicht automatisch Komfort. Wie weich eine Matratze am Ende liegt, entscheidet die Polsterung über den Federn.“
Tonnentaschenfederkern oder Taschenfederkern
Beide Bauarten nähen jede Stahlfeder einzeln in eine Stofftasche, damit nur der belastete Bereich nachgibt. Der Unterschied steckt in der Form der Feder und darin, wie die Taschen zusammengehalten werden. Eine klassische Taschenfeder ist zylindrisch, oben und unten gleich weit, und ihre Taschen werden nach Angaben des Federkernherstellers AGRO durch Klammern verbunden. Das ergibt einen stabilen, sehr langlebigen Kern mit eher festem Liegegefühl. Eine Tonnenfeder ist in der Mitte bauchig und an den Enden schmaler, und genau an dieser bauchigen Stelle werden die Taschen miteinander verklebt. Weil die Federn in der Tasche vorgespannt sitzen und die Verklebung mittig angreift, arbeitet der Kern beweglicher und erreicht eine höhere Punktelastizität. Dichter packen lässt sich die bauchige Feder ebenfalls, weshalb der Preis bei gleicher Kernhöhe etwas höher liegt.
Federzahl und was die Zahl auf dem Karton bedeutet
Viele Modelle tragen eine Zahl im Namen, die nicht die Federn Ihrer Größe meint, sondern die Baureihe. Auch die Bezugsfläche wechselt von Hersteller zu Hersteller. Ravensberger nennt rund 500 Federn je zwei Quadratmeter, Sleepsy 260 Federn je Quadratmeter, Tchibo die absolute Zahl für 90x200. Vergleichbar wird das erst nach dem Umrechnen auf Federn je Quadratmeter. Eine 90x200 hat 1,8 Quadratmeter Liegefläche, eine 180x200 genau das Doppelte.
Mehr Federn sind nicht automatisch besser. Ein dichter Kern unter zwei Zentimeter Polster liegt härter als ein moderater Kern unter fünf Zentimeter Komfortschaum, und genau diese Polsterhöhe steht in den wenigsten Datenblättern. Der Katalog des Federkernherstellers AGRO deckt 200 bis 1.120 Federn je Quadratmeter ab.
7 Zonen und wo der Zonenschnitt an Grenzen stößt
Eine 7-Zonen-Tonnentaschenfederkernmatratze teilt die Liegefläche in Kopf, Schulter, Rücken, Becken, Oberschenkel, Knie und Füße. Im Schulterbereich sitzen weichere Federn, damit die Schulter in der Seitenlage einsinkt, im Becken festere, damit die Hüfte nicht durchhängt. Das greift, solange Ihre Körpermaße zur Einteilung passen.
Die Zonenzahl ist allerdings weder geschützt noch genormt. Wie deutlich sich eine Zone von ihrer Nachbarin unterscheidet, legt jeder Hersteller selbst fest, deshalb fühlen sich zwei Matratzen mit demselben Etikett spürbar anders an. Bei sehr kleinen oder sehr großen Menschen verrutschen die Zonen gegenüber dem Körper, und dann liegt man auf einem gleichmäßig aufgebauten Kern oft besser.
Härtegrad nach Gewicht, nicht nach Gefühl
Der Härtegrad richtet sich nach Körpergewicht und Schlafposition, und Seitenschläfer dürfen eine Stufe weicher wählen. Zwischen den Marken sind die Stufen aber nicht vergleichbar, weil jeder Hersteller sie selbst festlegt. Ravensberger ordnet H3 dem Bereich ab etwa 80 kg zu, Breckle empfiehlt seine H3-Matratzen für 60 bis 150 kg. Ravensbergers Federkern- und Schaummodelle im Überblick zeigt der Ravensberger Matratzen Test. Schlaraffias Tonnentaschenfederkern Thermo Balance und seine Geschwister stehen im Schlaraffia Matratzen Test. Die Stiftung Warentest bestimmt die Härte im Labor und hält fest, dass die Herstellerangaben oft nicht stimmen und der Härtegrad die Liegeeigenschaften ohnehin nicht beeinflusst. Die Gewichtstabelle steht im Ratgeber zu den Härtegraden H1 bis H5, mittelfeste Modelle aller Bauarten sammelt der Vergleich der H3-Matratzen.
Federkern oder Kaltschaum
Beim Schlafklima gewinnt der Federkern. Zwischen den Taschen bleibt Luft, die Feuchtigkeit einer Nacht wieder abtransportiert, und der Kern staut Wärme nicht so wie ein geschlossener Schaumblock. Kaltschaum punktet dafür beim Gewicht und bei der Geräuschlosigkeit. Bei verstellbaren Lattenrosten gilt die Einschränkung nur für den Bonellfederkern, den der Fachverband Matratzenindustrie als zu starr dafür einordnet. Tonnentaschenfederkerne sind häufig ausdrücklich freigegeben, die Ravo-SPRING von Ravensberger zum Beispiel. Wer beim Schaum landet, findet die Modelle im Vergleich der Kaltschaummatratzen. Wer beides will, Federkern unten und Schaum oben, ist bei den Hybridmatratzen richtig. Die zylindrische Variante des Federkerns steht im Vergleich der Taschenfederkernmatratzen.
Unterbau, Boxspringbett und Pflege
Für den Unterbau zählt der Abstand zwischen den Leisten, nicht ihre Anzahl. Breckle nennt für seine Federkernmatratzen höchstens drei bis vier Zentimeter Abstand und mindestens 26 Leisten, Emma gibt für ihre Matratzen maximal sieben Zentimeter an. Eine Mindestzahl schreibt keine Norm vor, die Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 430/6 verlangen vom Hersteller nur eine Empfehlung für geeignete Unterfederungen. Halten Sie sich an die Angabe auf Ihrem Modell.
Auf Boxspringbetten sind diese Kerne die Regel, meist im Härtegrad H3 und mit einem Topper darüber. Passende Modelle stehen im Vergleich der Matratzen für Boxspringbetten. Das Gewicht wächst mit der Fläche: Die Ravo-SPRING wiegt in 90x200 rund 17 kg, in 180x200 liegt ein solcher Kern entsprechend bei gut 30 kg. Wenden ist damit eine Aufgabe für zwei Personen, und drehen sollten Sie die Matratze alle drei Monate. Den Überblick über alle Bauarten und Preisklassen gibt der große Matratzen-Vergleich.