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Öko-Tex bei Matratzen: Was das Siegel wirklich prüft

Öko-Tex Standard 100 zertifiziert bei Matratzen meist nur den Bezug, nicht den Kern. Wir erklären, was das Siegel garantiert und wie Sie es zuverlässig erkennen.

Ina Ina · · 8 Min. Lesezeit
Öko-Tex bei Matratzen: Was das Siegel wirklich prüft
Ina / Sleep Magazine

Öko-Tex Standard 100 ist ein unabhängiger Labortest, mit dem Textilien auf gesundheitlich bedenkliche Substanzen untersucht werden. Für Matratzenkäufer ist die entscheidende Einschränkung schnell erklärt: Das Siegel zertifiziert bei einer Matratze in aller Regel nur den Bezug und weitere textile Bestandteile, nicht zwingend den Schaum- oder Federkern darunter. Trägt eine Matratze das Label, wurde das geprüfte Material nach dem Öko-Tex Standard 100 gegen mehr als 1.000 problematische Substanzen getestet, von Azofarbstoffen über Formaldehyd bis zu Schwermetallen und Pestiziden. Wo das Siegel endet, welches zweite Zertifikat den Kern abdeckt und wie Sie eine Prüfnummer mit wenigen Klicks selbst kontrollieren, lesen Sie hier.

Was Öko-Tex Standard 100 genau prüft

OEKO-TEXOEKO-TEX

Auf dem Etikett steht genau genommen STANDARD 100 by OEKO-TEX. OEKO-TEX ist nämlich kein einzelnes Siegel, sondern ein Dach über mehreren Standards, darunter STeP für Produktionsstätten und ECO PASSPORT für Chemikalien. STANDARD 100 ist der bekannteste davon und im Matratzenhandel praktisch immer gemeint, wenn von Öko-Tex die Rede ist. Wir bleiben deshalb bei der geläufigen Schreibweise, meinen damit aber diesen einen Produktstandard.

Hinter dem Siegel steht ein Verbund unabhängiger Textil-Prüfinstitute. Ein akkreditiertes Labor testet die eingereichten Materialien gegen einen Kriterienkatalog, den Öko-Tex nach eigenen Angaben mindestens einmal jährlich überarbeitet und der heute über 1.000 Einzelsubstanzen umfasst. Geprüft wird modular, also jede Komponente für sich: Obermaterial, Nähgarn, Reißverschluss, Aufdruck. Reißt schon ein einzelnes Bauteil eine Grenze, fällt die gesamte Zertifizierung. Untersucht wird unter anderem auf:

  • krebsverdächtige Azofarbstoffe und allergene Farbmittel
  • Formaldehyd
  • extrahierbare Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Nickel
  • Pestizide und chlorierte Phenole
  • Weichmacher (Phthalate) und zinnorganische Verbindungen

Wichtig für Käufer: Ein Zertifikat gilt laut Öko-Tex nur ein Jahr. Wer damit werben will, muss seine Produkte jährlich neu einreichen, sonst verfällt die Berechtigung. Hinter einem aktuellen Label steht deshalb immer eine frisch bestandene Laborprüfung. Viele der geprüften Grenzwerte liegen strenger, als es Gesetze in der EU ohnehin verlangen.

Die vier Produktklassen: I bis IV

Öko-Tex prüft nicht alle Textilien gleich streng. Je enger der Hautkontakt und je empfindlicher die Haut, desto härter die Grenzwerte. Dafür gibt es vier Produktklassen:

Klasse Wofür Grenzwerte
Klasse I Babys und Kleinkinder bis 3 Jahre, etwa Strampler und Kinderbettwäsche Am strengsten
Klasse II Direkter Hautkontakt: Unterwäsche, Bettlaken, Matratzenbezüge Streng
Klasse III Ohne direkten Hautkontakt, etwa Jacken und Füllmaterial Mittel
Klasse IV Ausstattungsmaterial wie Vorhänge und Tischdecken Am niedrigsten

Ein Matratzenbezug fällt in die Klasse II, weil Sie Nacht für Nacht direkt darauf liegen. Steht auf dem Etikett sogar Klasse I, ist das ein echter Pluspunkt für Familien: Die Ware genügt dann den strengen Anforderungen für Babyartikel. Beim Kauf einer Kinder- oder Familienmatratze ist das ein handfestes Kriterium.

Was das Siegel bei einer Matratze abdeckt und was nicht

Hier lohnt der genaue Blick. Öko-Tex ist ein Textilsiegel. Bei einer Matratze bezieht es sich deshalb in der Regel auf den Bezug und weitere textile Bestandteile, nicht automatisch auf den Schaum- oder Federkern darunter. Manche Hersteller lassen die komplette Matratze inklusive Kern zertifizieren, viele aber nur den Stoff, mit dem Ihre Haut in Kontakt kommt.

Hand auf dem Matratzenbezug
Ina / Sleep Magazine

Das ist keine Mogelei, sondern Systematik. Ein Polyurethan-Schaumkern ist kein Textil und läuft über eigene Prüfprogramme. Genau dieser Kern ist aber der Teil, der bei einer neuen Matratze in den ersten Tagen ausgast und den typischen Geruch verursacht. Woher dieser Geruch stammt und wie Sie ihn schneller loswerden, steht im Ratgeber zu Schadstoffen in Matratzen. Wer wissen will, was tatsächlich untersucht wurde, schaut auf die Prüfnummer des Zertifikats: Sie verrät, welche Komponenten das Labor im Blick hatte. Ein pauschales „schadstoffgeprüft“ auf der Verpackung ersetzt diesen Blick nicht.

Öko-Tex, CertiPUR, LGA und Blauer Engel: Wer prüft was

Weil ein einzelnes Siegel selten die ganze Matratze abdeckt, treffen Sie im Handel auf mehrere Kürzel. Sie ergänzen sich, statt sich zu ersetzen. Die folgende Übersicht zeigt, wer wofür zuständig ist:

Siegel Was es prüft Rolle bei der Matratze
Öko-Tex Standard 100 Textilien und textile Komponenten auf Schadstoffe Vor allem der Bezug
CertiPUR Polyurethan-Schäume auf Emissionen, Schwermetalle, Weichmacher und CMR-Substanzen Der Schaumkern, den Öko-Tex nicht erfasst
LGA schadstoffgeprüft (TÜV Rheinland) Das fertige Produkt auf Schadstoffe, teils auf Haltbarkeit Die gesamte Matratze
Blauer Engel Zusätzlich ökologische Aspekte über den gesamten Lebensweg Umfassend, bei Matratzen bislang selten

Die stimmige Kombination für eine Schaummatratze ist deshalb Öko-Tex für den Bezug plus CertiPUR für den Kern. Diese Doppelung finden Sie im Handel bei vielen Schaummatratzen, längst aber nicht bei allen. Alle weiteren Zeichen, die im Bettenhandel danebenstehen, von GOLS über Downpass bis zum AGR-Siegel, sortiert unsere Übersicht der Matratzen-Siegel.

OEKO-TEX MADE IN GREEN, das Label für die ganze Fertigung

OEKO-TEX MADE IN GREENOEKO-TEX MADE IN GREEN

Neben STANDARD 100 vergibt OEKO-TEX ein zweites Produktlabel, und es steht für drei Zusagen gleichzeitig. Erstens ist der Artikel auf Schadstoffe geprüft, Grundlage dafür ist STANDARD 100. Zweitens muss jede beteiligte Produktionsstätte nach OEKO-TEX STeP zertifiziert sein. Drittens trägt jedes Stück eine eigene Produkt-ID.

Der zweite Punkt macht den Unterschied. STeP nimmt den Betrieb ins Visier, in dem die Ware entsteht, also Chemikalienmanagement, Abwasser und Emissionen, Energie- und Abfallwirtschaft, dazu Arbeitssicherheit, Arbeitszeiten, faire Löhne und das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit. Alle Komponenten, die mehr als fünf Prozent des Produktgewichts ausmachen, müssen aus solchen Betrieben kommen. STANDARD 100 sagt Ihnen, dass das Material sauber ist. MADE IN GREEN sagt Ihnen zusätzlich, unter welchen Bedingungen es entstanden ist.

Praktisch wird es beim dritten Punkt. Produkt-ID und QR-Code führen in denselben Label Check, mit dem Sie auch eine Standard-100-Nummer prüfen, zeigen dort aber zusätzlich die beteiligten Produktionsstätten und ihre Länder. Dokumentiert sein müssen mindestens drei Komponentenlieferanten plus der Betrieb, der konfektioniert. Unter den Siegeln an einer Matratze ist das die einzige Rückverfolgung, die Sie selbst aufrufen können.

Bei Matratzen bleibt das Label vorerst die Ausnahme. In unserem Testfeld führt es unter den Matratzen nur TEMPUR, dessen dänisches Werk nach STeP zertifiziert ist. Bei Kissen und Toppern taucht es vereinzelt auf. Wer MADE IN GREEN zur Bedingung macht, kauft aus einer kleinen Auswahl und weit oberhalb der üblichen Preisklasse.

So prüfen Sie ein Siegel selbst

Ein Logo auf der Produktseite ist schnell abgebildet. Ob es echt und gültig ist, klären Sie in zwei Minuten.

Prüfnummer suchen. Jedes gültige Label trägt eine Prüfnummer und den Namen des ausstellenden Instituts, etwa Hohenstein oder OETI. Auf neueren Etiketten steht zusätzlich ein QR-Code.

Label Check nutzen. Geben Sie die Nummer in den Label Check auf oeko-tex.com ein oder scannen Sie den QR-Code. Sie sehen sofort, ob das Zertifikat noch gültig ist, welche Produktklasse es trägt und welche Komponenten geprüft wurden. Genau an dieser Komponentenzeile erkennen Sie, ob nur der Bezug oder die ganze Matratze gemeint ist.

Auf das Jahr achten. Läuft ein Zertifikat aus und wird nicht erneuert, darf der Hersteller nicht mehr damit werben. Ein Siegel ohne prüfbare Nummer ist im Zweifel nur Dekoration.

Geprüfte Modelle aus unseren Tests

In unserem Testfeld trägt die Mehrheit der Matratzen ein Öko-Tex-Siegel für den Bezug, viele zusätzlich CertiPUR für den Kern. Die Emma One kombiniert beides und ist damit ein gutes Beispiel für eine durchgehend schadstoffgeprüfte Matratze. Die bett1 BODYGUARD trägt das Standard-100-Siegel für den Bezug, ebenso die günstige IKEA Åvaberg und die Matratzen Concord TFK. Ein Detail nimmt vielen die Sucherei ab: Das Zertifikat hängt am Modell, nicht an der Größe. Ist eine Matratze geprüft, gilt das für jede Ausführung, ob 90x200, 140x200 oder 180x200. Sie müssen also nicht nach „140x200 Öko-Tex“ filtern, sondern nur klären, ob das Modell an sich zertifiziert ist. Eine Übersicht aller geprüften Modelle finden Sie in unseren Matratzen-Testberichten und im Vergleich der besten Matratzen.

Der Preis dieser Modelle schwankt übrigens stärker als ihr Prüfergebnis. Zertifiziert bleibt zertifiziert, auch wenn ein Hersteller gerade reduziert; welche Marken das derzeit tun, führen wir unter Gutscheincodes.

Unser Fazit

Öko-Tex Standard 100 ist ein verlässliches Signal, dass der Stoff, auf dem Sie liegen, im Labor auf Schadstoffe geprüft wurde. Es bleibt aber ein Textilsiegel, kein Komplett-Gütesiegel für die ganze Matratze. Achten Sie deshalb auf zwei Dinge: eine gültige, prüfbare Nummer und ein zweites Siegel wie CertiPUR für den Kern. Wer beides sieht, kauft eine Matratze, die von der Oberfläche bis zum Kern schadstoffgeprüft ist. Wer nur das Öko-Tex-Logo findet, weiß immerhin, dass der wichtigste Kontaktpunkt stimmt. Wer zusätzlich wissen will, wo und wie gefertigt wurde, braucht MADE IN GREEN, findet es bei Matratzen aber bislang selten.

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Ina
Redakteurin

Ina schreibt und redigiert seit zwei Jahren für Sleep Magazine: zuerst für die französische Ausgabe sleepmagazine.fr, inzwischen auch für die deutsche Redaktion. In dieser Zeit hat sie Dutzende Marken und Hunderte Bettwaren ausgewertet, von Matratzen und Toppern bis zu Kissen und Bettdecken. Für jeden Vergleich prüft sie die Datenblätter, stellt Preise und Größen über die Händler hinweg gegenüber und liest die veröffentlichten Ergebnisse der Prüfinstitute.

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