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Matratzen-Härtegrad erklärt: H1 bis H5 – welcher passt zu Ihnen?

H1 bis H5 klingen nach Norm, sind aber keine: Warum dasselbe H3 mal weich und mal hart ausfällt und wie Sie den Härtegrad finden, der wirklich passt.

Ina Ina · · 5 Min. Lesezeit
Matratzen-Härtegrad erklärt: H1 bis H5 – welcher passt zu Ihnen?
Ina / Sleep Magazine

Der Härtegrad gibt an, wie fest eine Matratze ist. In Deutschland üblich ist eine Skala von H1 (sehr weich) bis H5 (extra fest), gestaffelt nach Körpergewicht: Je mehr Sie wiegen, desto tiefer sinken Sie ein und desto mehr Gegenhalt braucht die Matratze. So weit die Theorie. Sie hat allerdings einen Haken, den Sie kennen sollten, bevor Sie einer H-Zahl vertrauen: Der Härtegrad ist nicht genormt. Jeder Hersteller entscheidet selbst, was er H3 nennt. Die Folgen sind messbar, dazu gleich mehr.

Die Härtegrad-Tabelle: Richtwerte nach Körpergewicht

Für eine erste Eingrenzung taugt die Gewichtsstaffel trotzdem. Diese Spannen nennen die meisten deutschen Hersteller und Händler:

Härtegrad Bezeichnung Übliche Empfehlung Liegegefühl
H1 sehr weich bis ca. 60 kg tiefes Einsinken, stark anschmiegsam
H2 weich ca. 60–80 kg Schulter und Hüfte sinken deutlich ein
H3 mittelfest ca. 80–100 kg stützt, ohne hart zu wirken; der meistverkaufte Grad
H4 fest ca. 100–130 kg straff, wenig Einsinken
H5 extra fest ab ca. 130 kg sehr straff; nur wenige Hersteller führen ihn überhaupt

Verlassen Sie sich auf diese Grenzen aber nicht blind, denn schon bei den Zahlen sind sich die Anbieter uneinig. bett1 empfiehlt H3 für Schläfer bis etwa 120 kg, Träumeland zieht die Linie bereits bei 100 kg. Wer 110 kg wiegt, ist damit beim einen Hersteller H3-Kunde, beim anderen H4-Kunde. Und das Gewicht allein erzählt ohnehin nur die halbe Geschichte: 90 kg verteilen sich auf 1,95 m Körpergröße anders als auf 1,70 m.

Warum H3 nicht gleich H3 ist

Eine verbindliche Norm, die festlegt, wie fest sich ein H3 anfühlen muss, existiert nicht. Die H-Zahl ist eine freiwillige Einordnung des Herstellers, keine geprüfte Messgröße. Zwei Matratzen mit identischem Härtegrad können sich deshalb anfühlen wie zwei völlig verschiedene Produkte.

Wie weit das auseinanderläuft, hat die Stiftung Warentest dokumentiert. In ihrem Taschenfederkern-Test (test 11/2020) trugen neun der 14 geprüften Matratzen das Etikett H3. Im Labor reichte das Spektrum dieser angeblich gleich festen Modelle von weich bis hart. Besonders kurios war der Testsieger: Die My Home Black Diamond von Otto für 230 Euro war als H3 deklariert, lag nach der Messung aber im weichen Bereich. Das Fazit der Tester fällt seit Jahren gleich aus: Das eigene Liegegefühl zählt, nicht das Etikett.

Dazu kommt die Fertigung. Die Festigkeit von Kaltschaum kann produktionsbedingt um bis zu 20 Prozent schwanken, das räumt bett1 im eigenen Ratgeber offen ein. Selbst zwei Exemplare desselben Modells müssen sich also nicht exakt gleich anfühlen.

Drei Hersteller, drei Systeme

bett1 umgeht die Festlegung mit einem Kniff: Die BODYGUARD ist eine Wendematratze mit einer mittelfesten und einer festen Seite. Statt vor dem Kauf auf die richtige Zahl zu wetten, drehen Sie die Matratze um, wenn die erste Seite nicht passt. Wie gut das im Alltag funktioniert, lesen Sie in unserem Test der BODYGUARD Anti-Kartell-Matratze.

Emma hat die H-Bezeichnungen komplett gestrichen und nennt sie im eigenen Matratzen-Lexikon „kompliziert und obsolet“. Die Emma One gibt es schlicht als „medium“ und „hart“, empfohlen wird nach Gewicht und Vorliebe. Unsere Einschätzung zum Modell steht im Emma One Testbericht.

TEMPUR sortiert sein Sortiment nach „Liegegefühl“ von weich bis fest, H-Zahlen tauchen dort gar nicht erst auf. Ein Beispiel aus unserem Testfeld ist die TEMPUR Original Elite.

Drei Anbieter, drei Logiken. Es lohnt sich deshalb mehr, Testberichte und Rückgabebedingungen zu vergleichen als H-Zahlen.

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So finden Sie den Härtegrad, der wirklich passt

Schritt 1: Gewicht als Startpunkt. Die Tabelle oben grenzt die Auswahl auf ein bis zwei Grade ein. Liegen Sie nahe an einer Gewichtsgrenze, entscheidet nicht die Zahl, sondern der nächste Schritt.

Schritt 2: Schlafposition einrechnen. Seitenschläfer brauchen Raum zum Einsinken für Schulter und Hüfte, sonst knickt die Wirbelsäule seitlich ab: im Zweifel der weichere Grad oder ein Modell mit ausgeprägter Schulterzone. Rücken- und Bauchschläfer liegen auf der festeren Variante meist besser, weil das Becken nicht durchhängen darf. Welche Position dem Rücken überhaupt am meisten entgegenkommt, lesen Sie in unserem Ratgeber zur richtigen Schlafposition.

Schritt 3: Beschwerden ernst nehmen. Für Menschen mit Rückenschmerzen gibt es einen der seltenen Fälle echter Evidenz: In einer im Fachblatt The Lancet erschienenen Vergleichsstudie berichteten Patienten auf mittelfesten Matratzen von weniger Beschwerden als auf harten. Die alte Regel „je härter, desto besser für den Rücken“ gilt damit als widerlegt.

Schritt 4: Probeschlafen statt Probeliegen. Zehn Minuten im Geschäft ersetzen keine acht Stunden Schlaf. Fast alle Online-Anbieter räumen inzwischen 100 Nächte Probeschlafen ein, teils mehr. Nutzen Sie das konsequent: bestellen, mehrere Wochen schlafen, ehrlich Bilanz ziehen. Welche Modelle diesen Praxistest bei uns bestanden haben, zeigt der Vergleich der besten Matratzen, die Einzelergebnisse stehen in unseren Matratzen-Testberichten. Und bevor Sie zum Listenpreis bestellen: Ein Blick auf die aktuellen Gutscheincodes spart oft mehr als der Wechsel in einen günstigeren Härtegrad.

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Unser Fazit

Der Härtegrad ist ein grober Wegweiser, kein Prüfsiegel. Die Gewichtsspannen von H1 bis H5 helfen bei der Vorauswahl, mehr sollten Sie nicht hineinlesen: Die Grenzen verschieben sich von Hersteller zu Hersteller, Laborwerte widersprechen den Etiketten, und einige Anbieter haben die H-Zahlen bereits abgeschafft. Kaufen Sie deshalb nie nach Zahl allein. Wählen Sie nach Gewicht und Schlafposition vor, prüfen Sie das Rückgaberecht und treffen Sie die Entscheidung dort, wo sie hingehört: im eigenen Bett.

Ina
Redakteurin

Ina schreibt und redigiert seit zwei Jahren für Sleep Magazine: zuerst für die französische Ausgabe sleepmagazine.fr, inzwischen auch für die deutsche Redaktion. In dieser Zeit hat sie Dutzende Marken und Hunderte Bettwaren ausgewertet, von Matratzen und Toppern bis zu Kissen und Bettdecken. Für jeden Vergleich prüft sie die Datenblätter, stellt Preise und Größen über die Händler hinweg gegenüber und liest die veröffentlichten Ergebnisse der Prüfinstitute.

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