„Zwischen einer Matratze mit Naturfaser-Bezug und einer echten Naturmatratze liegt ein kompletter Materialwechsel im Kern. Fragen Sie vor dem Kauf nach dem Datenblatt und nach dem Anteil Naturkautschuk, den der Hersteller schriftlich angibt.“
Wann eine Matratze wirklich eine Naturmatratze ist
Für den Begriff gibt es keine gesetzliche Definition. allnatura weist in der eigenen Besprechung des ÖKO-TEST-Ergebnisses darauf hin, dass ein Kern bereits ab einem Naturkautschuk-Anteil von 10 bis 30 Prozent als Naturlatex-Matratze verkauft werden darf; der Rest ist dann Synthesekautschuk auf Erdölbasis. Suchen Sie im Datenblatt deshalb nach der Formulierung „100 Prozent Naturkautschuk“ und nach einer Angabe, aus welchen Fasern Polsterung und Bezug bestehen. Bio-Baumwolle (kbA), Schurwolle (kbT) und Lyocell sind die üblichen Bezugsstoffe. Ein Mischgewebe mit Polyester macht eine sonst gute Matratze nicht schlecht, gehört aber in die Rechnung. Der Fertigungsort ist das zweite Kriterium, das sich leicht prüfen lässt und bei den deutschen Herstellern meist offen dokumentiert wird.
Die vier Siegel, die etwas aussagen
Ein reines Bio-Siegel für den Bezug sagt nichts über den Kern. Umgekehrt deckt QUL beide Seiten ab, weshalb es unter Naturbettenherstellern als das strengste Zeichen gilt.
Welches Naturmaterial zu welchem Schläfer passt
Naturkautschuk ist punktelastisch und schwer. Er gibt an Schulter und Becken nach und stützt dazwischen gleichmäßig, was ihn für Seiten- und Rückenschläfer zur ersten Wahl macht; die Modelle im Detail stehen in unserem Latexmatratzen-Vergleich. Latexierte Kokosfaser liegt flächenelastisch und deutlich fester und passt zu Bauchschläfern und zu allen, die ein straffes Bett gewohnt sind. Rosshaar und Hanf sitzen als Polsterung oder Zwischenlage darüber und regulieren vor allem Feuchtigkeit, sie machen die Liegefläche trocken und kühl. Schurwolle im Bezug wirkt in dieselbe Richtung. Wer auf Latex allergisch reagiert, weicht auf einen Kaltschaumkern mit pflanzlichem Ölanteil aus und verliert dabei den Naturanspruch im Kern, behält aber den waschbaren Naturfaser-Bezug, auf den es Allergikern meist ankommt. Einen Überblick über alle Bauarten gibt der große Matratzen-Vergleich.
Was der ÖKO-TEST-Befund für den Kauf bedeutet
Die Mängel, die ÖKO-TEST im Latexmatratzen-Testfeld 12/2024 am häufigsten fand, betreffen die Gattung als Ganzes: Nitrosamine im Kern, optische Aufheller in Bezug oder Etikett und ein deutlich wahrnehmbarer Eigengeruch. Für den Kauf heißt das dreierlei. Erstens riecht reiner Naturkautschuk stärker als Mischlatex, weil kein Synthesekautschuk beigemischt ist; der Geruch verliert sich meist in den ersten Wochen, wenn die Matratze frei belüftet steht. Zweitens gibt es für Nitrosamine keinen gesetzlichen Grenzwert. QUL fordert weniger als 0,1 µg/m³, OEKO-TEX erlaubt 0,5 µg/m³, und ein Hersteller, der seine eigenen Messwerte nennt, ist die sicherere Wahl. Drittens gilt ein Testurteil immer nur für die geprüfte Variante, nicht für jeden Bezug, den der Konfigurator anbietet. Bewertet wurde in diesem Feld die allnatura Supra-Comfort mit dem Hygiene-Bezug im Härtegrad medium, die mit „gut“ die beste vergebene Note erhielt.